Was heute ein idyllisches Gewässer mit kristallklarem Wasser ist, hat eine bemerkenswerte industrielle Vergangenheit. Der Bergwitzsee ist kein natürlicher See, sondern das Ergebnis einer jahrzehntelangen Wandlung: vom Braunkohletagebau zur Wassersportlandschaft.
Die Zeit des Bergbaus (1908–1955)
Im Jahr 1908 begannen die Erschließungsarbeiten für den Braunkohletagebau, der unter dem Namen „Roberts Hoffnung" betrieben wurde. Das Revier entwickelte sich rasch zu einem Zentrum moderner Bergbautechnik: 1916 ging hier der erste Schaufelradbagger Deutschlands in Betrieb – ein Meilenstein der Industriegeschichte. Bereits 1932 wurde hier eine der modernsten Förderbrücken Europas errichtet. Der Tagebau versorgte zunächst eine Brikettfabrik und später auch das Elektrizitätskraftwerk Zschornewitz, zu dem eigens eine elektrisch betriebene Grubenbahn gebaut wurde.
Nach dem Ende der Abraumbewegungen 1953 und dem Ende der Kohleförderung 1954 wurde der Tagebau 1955 endgültig stillgelegt.
Die Verwandlung – Ein See entsteht
In den 1960er-Jahren wurde die Kippe rekultiviert und die Böschungen gestaltet. Parallel dazu wurde das Restloch durch den natürlichen Zulauf geflutet. Die Flutung erfolgte durch die teilweise Umleitung des Fliethbaches sowie den natürlichen Zufluss aus dem Grundwasser. Wo einst schwere Maschinen die Erde aufbrachen, entstand eine ruhige Wasserfläche, die die Natur rasch für sich zurückeroberte.
Heute verfügt der Bergwitzsee über eine Wasserfläche von 170 Hektar, eine Maximaltiefe von 18 Metern und eine Uferlinie von 8,2 Kilometern. Der See wird vom Grundwasser gespeist, was für eine ausgezeichnete Wasserqualität sorgt.
Ein Revier mit Geschichte
Der Bergwitzsee ist Teil der Bergbaufolgeseenlandschaft Mitteldeutschlands – jener bemerkenswerten Region, in der aus Wunden der Industriegeschichte heute Naturjuwelen geworden sind. Die Route „Kohle | Dampf | Licht | Seen" verbindet die ehemaligen Tagebaue zwischen Wittenberg und dem Raum Leipzig und erinnert an die industrielle Prägung dieser Landschaft.
Unser Segelverein ist seit 1972 Teil dieser Geschichte. Wir segeln auf einem See, der selbst eine Geschichte des Wandels verkörpert – und der uns Jahr für Jahr mit Wind und Wasser aufs Neue begeistert.